Ein Welpe zieht ein

 

Erfahrungs- und Gedankenbericht über die ersten gemeinsamen Tage mit einem Welpen


Liebe Leser,
der folgende Text ist persönlich und mein Stolz über den individuellsten, klügsten und schönsten Welpen ist unüberhörbar.  Wer solches Reden normalerweise als Gefühlsquatsch empfindet, braucht nicht weiter zu lesen.

"Und dann kam Polly" *

Polly alias DingDing, 8 Wochen alt, mit vollem Namen "Halona Suleto of XanXenia", haben wir am 23.06. um 10:00 bei ihrer Züchterin abgeholt und sind dann mit Ihr die ca. 100 km zu ihrem neuen Heim in München gefahren. Der Trennungsschmerz setzte sofort ein, nachdem ich sie auf den Schoss meiner Frau abgelegt hatte.

Polly jaulte, während ich versuchte unser Auto so sanft wie möglich um die Kurven zu fahren. Die Geräusche und Lautwechsel der Motoren, die Fahrgeräusche, alles machte ihr Angst. Wir waren emotional ebenso mitgenommen von der Situation und hielten darum ziemlich bald an.
An meinem Hals hat sich die Kleine dann schnell beruhigt, und wir uns mit ihr. Ein Hundewelpe ist wie ein Baby und ihr einziger Schutz ist die Anwesenheit von Mama und zwar sofort. Und diese Position habe ich eher unbemerkt eingenommen und ihr damit etwas Sicherheit gegeben. Die restliche Fahrt war aufregend aber ohne weitere Stops.

Daheim angekommen begann für uns ein neues Leben. Hund in den Arm nehmen und mit den Mitgaben von der Züchterin in die Wohnung bringen, war die erste Aktion. Dann natürlich starkes Hoffen, dass die Kleine ihren Platz annimmt und sich eingewöhnt ... und ... hoffen dass die Kleine durch eindeutige Zeichen darauf aufmerksam macht, dass es für sie Zeit zum Austreten wäre.

Also letzteres hat sich zum Teil sogar erfüllt, zum Teil aber auch den Entschluss meiner Frau aufs deutlichste bestätigt,  unseren Sisal Teppich endlich los zu werden. Ich habe beschlossen, zumindest vorerst bleiben Teppich und Welpe zusammen.

Wir waren plötzlich ein Rudel mit einem Welpen und 2 Menschen. Für den Welpen war Tragebox inklusive Kissen, Spielzeug, Pinkelunterlage, Tücher und der mitgegebenen Kuscheldecke vorgesehen. Und welch eine Freude - sie legt sich einfach zwischen das ganze Zeug und ließ sich streicheln.


Wie bei einem Baby erkundigten wir uns natürlich lange vorher, was ist alles zu tun, damit es dem Welpen gut geht. Das Gelesene plötzlich umsetzen müssen, ist die Herausforderung. Die Kleine jaulte die ersten Stunden beim streicheln, beim trinken, in den kurzen Schlafpausen, beim untersuchen der neuen Umgebung ... solchen Seufzern unterliegt man und unternimmt alles, damit es ihr besser geht. Und gleichzeitig waren wir froh, dass Polly trotz Allem offensichtlich Interesse an ihrer neuen Welt zeigte.

Ich habe mich 2 Stunden, nachdem wir Daheim waren, neben die Kleine an ihren Platz gelegt und sie am Bauch gestreichelt, die Beinchen sanft gestreckt etc. bis sie immer entspannter wurde und so haben wir den ersten gemeinsam Rudelschlaf gehalten. Wer zuerst vor Erschöpfung eingeschlafen ist, weiß ich nicht mehr. Das Jaulen wurde schwächer und jetzt jault sie nur noch beim Essen.

Ihren Wasser- und Futternapf habe ich ihr nach ihrem Schlafplatz gezeigt. Aber jedes mal, wenn sie trinken oder essen anfing, jaulte sie gleichzeitig. Wenn sie isst oder trinkt, muss sich immer einer neben sie setzen und sie berühren. Das stoppt sofort ihr Jaulen und sie isst und trinkt nur noch unterbrochen von tiefen Seufzern.

Manchmal beuge ich meinen Hinterkopf auf ihre Futterhöhe - sie krabbelt dann mit zwei Pfoten auf meinen Kopf und knabbert an meinem Ohr (einmal so heftig, dass es leicht geblutet hat), dann wieder abwechselnd Pfote ins Wasser und mit Heißhunger auf ihr Futter. Oft schläft sie am Futterplatz ein. Sie hat dann meist die linke Pfote oder ein Ohr im Wassernapf und schlängelt sich um die Näpfe.


In der ersten Nacht mit ihr habe ich kaum geschlafen, weil sie zwar meine Nähe suchte, aber alle 1-2 Minuten einen anderen Platz ausprobiert, im Doppelbett ohne Frau aber mit Hund. Bei jeder ihrer Bewegungen habe ich geschaut, ob alles ok ist und während sie vermutlich dann doch noch schlafen konnte, war ich um 5:00 früh gerädert und sie wollte irgendwas von mir.

"was will der Welpe jetzt?" lernt man recht schnell zu verstehen. Wenn es trotzdem zum Malheur kommt, dann war Mensch zu langsam. Wenn's passiert und das tut es garantiert, dann trage ich den Welpen sofort zum vorgesehenen Ort raus und jedes Pippi oder Häufchen wird gelobt und mit einem Leckerli belohnt.

Es ist ja bekannt, dass Hunde nur eine sehr kurze Zeitspanne zwischen dem Geschehen und einer möglichen Reaktion haben, so 1-3 Sekunden. Alles was nach dieser Zeitspanne als Reaktion erfolgt, erkennt der Hund nicht mehr im Zusammenhang mit dem Geschehen. Darum lieber gar nicht reagieren als zu spät.

Ich versuche darum die Kleine nicht zu erschrecken, wenn sie ein Pfützchen am Ort ihrer Notwahl hinterlassen hat und ich es zu spät merke. Wir machen das weg, möglichst so, dass sie nichts mitbekommt und langsam lernen wir ihre Signale zu deuten. Ich bin zwar schon einige Male in der Schlafhose, mit ihr im Arm, vergeblich zur Hundewiese, aber es wird immer besser und sie lernt offenbar schnell.

Das Video ist am 3. Tag entstanden. Polly hat sich mit einer Stoffkuh und einem Esel angefreundet.

Bisher habe ich mit Polly gute Erfahrung damit gemacht, sie für jeden kleinen Schritt zu loben und das Lob mit sanften Berührungen zu unterstreichen. Das klappt auch ohne Leckerlis, obwohl sie die natürlich gerne nimmt.
Wir bewegen uns möglichst langsam, ohne hektische Bewegungen in der Wohnung. Sie reagierte natürlich stark auf alle neuen Geräusche, aber wir beruhigen möglichst sofort und mittlerweile regiert sie auf Kaffee-, Spül- und andere Lärmmaschinen kaum noch. Sie hat ihre Lieblingsplätze gefunden, die sie abwechselnd aufsucht, wie z.B. eine enge Stelle zwischen Schreibtisch und Druckertisch. Sie liebt alle Plätze, die von mindestens zwei Seiten Schutz bieten.


Auch wenn sie genug Spielzeug zum Kauen hat, nimmt sie ganz gezielt solche Dinge zwischen die Zähnchen, die eigentlich verboten sind. Zum Beispiel hat es ihr der Schlauch meiner Insulinpumpe angetan. Mit ihm zwischen den Kiefern hat sie mich schon geweckt und es war gar nicht so leicht ihren kleinen Mund wieder aufzubekommen. Dass Hunde Schuhe mögen weiß man, aber wie dieser 2 Monate alter Welpe mit meinen Flipflops umgeht - alle Achtung.

Der 4. gemeinsame Tag und unser Leben hat sich komplett geändert. Kein Fernseher, dafür viele Stunden am Tag auf dem Boden sitzend und liegend.

Polly läuft neben mir her und ich brauche die Leine noch nicht, obwohl sie das Halsband umhat. Sie bleibt stehen oder legt sich hin, wenn ich stehen bleibe. Wenn ich langsam weggehe, dann steht sie auf und trappelt mir zwischen die Beine mit ihren großen schwarzen Pfoten. Wenn sie das beibehält, dann bin ich glücklich.

Sie wächst sichtbar innerhalb von Tagen und sie wird mal richtig groß. Auf der Hundewiese hat sie einen großen Weimeraner kennengelernt, der völlig aus dem Häuschen war über das süße Mädchen. Ich habe mich zu ihr gekniet und sie zum Schutz zwischen meine Beine genommen. Der Weimeraner war so sanft mit ihr, dass er sich am Ende kaum mehr ihrer Spielversuche erwehren konnte. Der Jungdackel Poldi wollte ihr sofort an die Wäsche, aber sie hat sich einfach auf ihn draufgelegt, da war keine Gegenwehr mehr möglich.

Polly hat Lastwagen und Kinderwagen, die großen gelben Autos mit Männern die schnell laufen und Pakete tragen, kennengelernt. Ein Kindergarten ist lärmend an ihr vorbei marschiert, mit mindestens zehn Hunden hatte sie Kontakt. Wenn ich sie dabei berühre, hat sie kaum Angst, Respekt aber doch. Sie verlässt sich offensichtlich schon auf mich als Rudelführer. Wenn ich auf eine Situation nicht reagiere, dann braucht sie das auch nicht.

Manchmal sitzen wir auf einer Treppe im Hausgang und sie kühlt sich am Steinboden. So können wir eine halbe Stunde an einer Stelle bleiben und die rausgehenden oder heimkommenden Hausbewohner kennenlernen.

Wie jeder Welpe ist Polly ein Freudemacher, fast jeder der sie sieht, bekommt ein Lächeln ins Gesicht. Sowas schaffen sonst nur noch Kleinkinder.

Jetzt am 4. Tag bin ich mir (fast) sicher, dass dieser kleine Hund einen Lebenswunsch erfüllt. Wir prägen uns gegenseitig immer mehr und ich versuche die Gedankengänge der Kleinen nachzuvollziehen. Sie macht es leicht durch ihre sanfte Art, ihre schnelle Auffassungsgabe und ihrem offenen Umgang mit allem Neuen. 

Damit preise ich sie nicht an, weil wir uns garantiert nicht trennen werden. Wer schon mal dabei war, wie ein Welpe träumt und dabei mit den Pfoten in der Luft rudert, plötzlich knurrt und seufzt, der weiß wie glücklich einen das machen kann.

 

 

mein Gewusel mit IPAD, Polly und einer Schnur.


Wow, die Kleine haut mich echt um.

Nur nicht täuschen lassen. Was hier noch so lieb aussieht hat jetzt schon eine andere Qualität. Beim Spielen sind wir oft körperlich nah und ich mit meinem Gesicht bei Ihrem. In Ihrem Spieleifer hat sie mir schon die Zähne um den Hals gelegt. Mein lautes protestierende Nein hat sie zum Glück akzeptiert.

Das Bild entstand, nachdem ich sie auf die Wiese getragen hatte, damit sie mal pinkelt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie sich auf mich verlässt, wann es Zeit zum pinkeln ist. In der Wiese abgelegt, schnüffelt sie ein wenig, geht in die Mädchenhocke und lässt's laufen. Dann legt sich Polly nach ein paar Schritten wieder in der Wiese ab und will Schlafen. Darum muss ich sie immer wieder mal raus- und reintragen.

In der Wiese auf dem Bauch liegend schnüffeln, Grass fressen (wirklich alles in den Mund nehmen) und am Besten in der Stellung pennen - das mag sie.


Das wird kein Tagebuch ...

aber das will ich doch noch festhalten. Am 1. Tag habe ich in meinem Überschwang versucht, Polly mit Gitarrenspiel zu beeindrucken.
Das hat sie zum Jaulen gebracht und mich nachdenklich gemacht. Sollten sie meine Musikkünste ihr Leben lang zum jaulen bringen?

Das kann ich jetzt eindeutig verneinen. Nachdem ich sie heute mit ihr ihm Rucksack auf dem Fahrrad unterwegs war (den Fahrtwind mag sie) konnte in allen Lautstärken Gitarre spielen und sie hat einfach nur gepennt. Na also! Fernsehen geht auch, allerdings interessiert sich Polly nicht mal für Dog TV.

* "Und dann kam Polly" ist ein Film mit Jenniver Aniston und Ben Stiller.

 


Das muss ich jetzt einfach doch noch erzählen, wie Polly ihre erste Welpen Schulstunde erlebt hat.

Die Hinfahrt war wie erwartet, ein einziger Klagelaut von hinten, weil Polly Autofahren wohl mit ihrer Trennung verknüpft hat.
Um es gleich vorweg zu nehmen - nach der Welpenschule war sie so platt, dass aus dem Heck kein Laut zu hören war und ich hoffe, dass sie langsam freudige Dinge mit dem Auto verknüpft.

Die Welpenstunde war super für alle Hunde und deren Begleiter. Erstmal ruhig sitzen mit Leine - gar nicht so einfach, wenn das 10 Grüppchen gleichzeitig versuchen. Und dann nach Geschirr und Leinen los, ging der Punk ab und die Welpen tobten etwa eine halbe Stunde durch den Kindergarten. Die leicht erschöpften Welpen wurden dann wieder eingesammelt und an der Leine mit einer Kaustange belohnt.


Polly hatte sich mittlerweile mit einem etwa halb so großen Wollknäuel zusammengetan und nach einer Fragestunde für Menschen ging es in die zweite Runde. Wer bei der Spielerei mehr Freude hatte, Mensch oder Hund, war nicht klar auszumachen.


Mit einer Langleine plus Geschirr kann ich schon gut mit ihr Gehen. An der Leine lasse ich sie bis zu 10m hinter mir und wenn sie dann immer noch nicht aufstehen will, dann erkennt sie an meinen Gesten, dass es ein Leckerli geben könnte und sie kommt angerannt. Wir verheddern uns immer wieder in der Leine und ich habe mittlerweile meine Motorik verfeinert, weil ich ständig 10m Leine einholen, wieder loslassen, von Straßenschildern befreien und dabei ständig über die Leine hüpfen muss.

 

 

Wo Wasser, da Polly!

Gestern wieder Jaulen bei der Hinfahrt zu einem Hundesee und gähnen bei der Rückfahrt. Am See trifft man Hunde mit ihren Menschen und alle gehen ins Wasser, wälzen sich im Gestrüpp und hüpfen dann über die Decken und Taschen aller anwesenden Rudel.

Polly hat ein Schild ignoriert, das Hunden das Betreten eines kleinen Biotops untersagt. Sie ist sofort in den Teich mit den Goldfischen gehüpft und hat sich im Wasser durch die Schlingpflanzen gekämpft. Anschließend sah sie ziemlich schlank aus.